Carlos G. Vallés SJ —
Inspiration und Reflexion

Wer ist Carlos G. Vallés? Ein kurzes Porträt   Die in Deutsch vorliegenden Bücher von Carlos G. Vallés



Eine Meditation von Carlos G. Vallés:


Psalm 64 — Pfeile


Fliegende Pfeile sind Todesboten. Geräuschlos, gezielt, tödlich. Die Waffe, vor der die Krieger Israels am meisten Angst hatten. Pfeile sind schwer im Flug auszumachen und können auch nicht im Flug abgefangen werden. Sie erreichen einen aus großer Entfernung, aus unbekannter Richtung und werden meist zu spät wahrgenommen. Mit grausamer Genauigkeit finden sie ihr menschliches Ziel auch in den Schatten der Nacht. Ein Schwert kann mit dem Schwert bekämpft werden, ein Dolch mit einem anderen Dolch, aber der Pfeil schwirrt einzeln heran, abgeschossen von anonymer Hand aus der Sicherheit des entfernten, feindlichen Landes. Schnell und rasiermesserscharf trifft er auf das hilflose menschliche Fleisch, und seine Nadelspitze rötet sich augenblicklich vom vergossenen Blut. Pfeile sind schicksalhafter Tod, getragen von der Windeseile des Hasses.
Ähnlich wie mit einem Pfeil verhält es sich mit Worten, die ein Mensch gebraucht. Auch sie fliegen, und auch sie töten. Sie transportieren Gift, Zerstörung und Tod. Ein kurzes Wort genügt manchmal, um ein Leben zu zerstören. Eine in Worte gekleidete Beleidigung kann für Generationen zwischen zwei Familien Fehde und Feindschaft stiften. Worte können Kriege verursachen und Mordtaten planen. Worte treffen und verwunden Menschen in der noblen Tiefe ihres Seins, in ihrer Würde, in ihrem Seelenfrieden und in ihrer Familienehre. In einer Welt von blinder Eifersucht, Neid und erbarmungslosem Konkurrenzkampf werden Worte für Menschen zu einer Bedrohung.
An dieser Stelle setze ich mit meinem Gebet ein.

Schütze mein Leben vor dem Schrecken des Feindes!
Verbirg mich vor der Schar der Bösen, vor dem Toben derer,
die Unrecht tun.
Sie schärfen ihre Zunge wie ein Schwert,
schießen giftige Worte wie Pfeile,
um den Schuldlosen von ihrem Versteck aus zu treffen.
Sie schießen auf ihn, plötzlich und ohne Scheu.


Ich bitte um Schutz vor den Worten der Menschen. Und der Schutz, der mir zuteil wird, ist das Wort Gottes. Die Pfeile der Menschen werden abgewehrt durch den Pfeil, der von Gott kommt.

Da trifft sie Gott mit seinem Pfeil; sie werden jählings verwundet.
Ihre eigene Zunge bringt sie zu Fall.
Alle, die es sehen, schütteln den Kopf.


Ein Pfeil gegen all die anderen. Gottes Wort gegen die Worte der Menschen. Gottes Wort in den Schriften, im Gebet, in der Inkarnation und der Eucharistie. Seine Gegenwart, Seine Stärke, sein Wort. Es erleuchtet meinen Geist und verleiht meinem Herzen Ausgeglichenheit. Es gibt mir Mut, in einem Dschungel aus Worten zu leben, ohne das Böse zu fürchten. Gottes Wort vermittelt mir Frieden und Freude, ewiglich.

Der Gerechte freut sich am Herrn und sucht bei ihm Zuflucht.
Und es jubeln alle Menschen mit redlichem Herzen.